Impulse des Vertrauensrates zum Thema „Ehe und Familie“

Eine Pastorenehe unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht von anderen Ehen. Dennoch steht sie vor besonderen Herausforderungen.

  • verlagerte Arbeitszeiten und nicht konforme freie Zeiten, damit einhergehend Kontaktreduzierung im Binnen- und Außenbereich
  • permanente Verfügbarkeit
  • multiple Abhängigkeiten vom Dienstgeber (Dienst, Wohnung etc.)
  • Erwartungen an den Ehepartner des Pastors/der Pastorin
  • leben im Schatten des Partners
  • Unehrlichkeit in Glaubens- und anderen Krisen
  • erhöhte Belastungen des Partners durch vielseitige Abhängigkeiten bei Konflikten des Pastors/der Pastorin mit dem Dienstgeber
  • Frust des Partners bei langer Dienstdauer
  • Verlust von Freundschaften durch Orts- bzw. Stellenwechsel
  • Entwurzelung durch Orts- bzw. Stellenwechsel
  • Versuchungen durch zu enge Beziehungen in Mitarbeit/ Seelsorge

Agnes Hofmann, Familientherapeutin und Pastorenfrau schreibt zum Thema Folgendes:

Die besonderen Herausforderungen der Pastorenehe

Bei der Begleitung von Pastorenehen ist es sinnvoll, die besonderen Zugkräfte zu beachten, die hier zusätzlich zur normalen Ehethematik wirken. Zum einen gibt es ‚Aufträge’, die in der Paardynamik bedeutsam sind: a) Gottes Auftrag, wie er verstanden, umgesetzt, priorisiert wird; b) der innere Auftrag, die Vision des Pastors und nicht zu unterschätzen des nicht angestellten Partners; c) der transgenerative Auftrag oder auch Antiauftrag, denn sehr viele Pastoren und Partner kommen aus gemeindeaktiven Herkunftsfamilien und haben so ihre langerworbenen Muster. Zum anderen lebt die Pastorenfamilie innerhalb des Spezialsystems Gemeinde mit seiner eigenen Dynamik und muss sich dort ausbalancieren zwischen Eigenanspruch, Fremdanspruch, der Idealisierung und dient als Projektionsfläche. Gerade in Konflikt- und Überforderungszeiten hat die Familie keinen Pastor ‚für sich’, sondern ‚in sich’. Deshalb ist es sinnvoll dies in die Begleitung von Pastorenehen ganzheitlich einzubinden und sie beim Scheitern evtl. auch von Restaufträgen zu entbinden (betone ich als Pastorentochter). Dazu braucht es im Krisenfall Berater, die diese Zugkräfte im Blick haben und in den noch nicht festgefahrenen Paarzeiten (Anfangsdienst z.B.) die Paare darin unterstützen, eine Sprachfähigkeit zu entwickeln. Ein wichtiges Ziel ist die rechtzeitige Vertrauensbildung zu erfahrenen Ansprechpartnern, die ja außerhalb des aktuellen Gemeindeumfeldes gefunden bzw. vermittelt werden müssen.“

Wir bitten als Vertrauensrat an folgenden Punkten weiterzuarbeiten:

  • An dem Thema sollte auf breiter Ebene (z.B. Studientagungen und Konvente auf Bezirksebene) weitergearbeitet werden:
    • Exegetisch: „Arbeit an bzw. ‚Neuformulierung“ der Haustafeln des Epheser- und des Kolosserbriefes
    • Soziologisch: Das evangelische Pastorenhaus – Lebensstil im Wandel
    • Erwachsenenbildung: Aufnahme des Themas in das Curriculum der Pastor*innen im Anfangsdienst und in den Themenkatalog der Akademie
    • Wir empfehlen Agnes Hofmann als Referentin zum Thema

Weiterführende Literatur-Hinweise (Auswahl):

Von Kollegen:

 

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe wurden zusammengefasst von Anja Bär & Petra Reinecke, September 2017.

 

 

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